Toleranzgrenzen

Am heutigen Tage sind Europawahlen. Sie waren hoffentlich schon wählen oder sind auf den Weg dahin. Ohne Zweifel sind Europawahlkämpfe ziemlich langweilig. Da gibt es immer wieder die gleichen Herren oder Damen die uns erklären wollen, dass Europa jetzt so richtig umgekrempelt wird. Wenn man sich die sogenannten Spitzenkandidaten anschaut, kommen einen schnell Zweifel. Da ist ein Martin Schulz. der 20 Jahre oder ein Herr Alexander Graf Lambsdorff der seit 10 Jahren im Europäischen Parlament sitzt. Hinzu kommen ausgemusterte Politiker wie jener aus Luxemburg der unbedingt Kommissionspräsident werden möchte.

In den öffentlich-rechtlichen Medien gab es in diesem Jahr, sogar eine Wahlkampfarena mit „echten“ Spitzenkandidaten. Wenn man sich diese Sendungen angeschaut hat, kommt man nicht umhin sich zu fragen, wo denn eigentlich die Unterschiede zwischen den Parteien sind. So langweilig wie die Herren sich darstellten, war dann auch der angebliche „Wahlkampf“. Nie fiel es mir schwerer, mich zu entscheiden, wem ich meine Stimme geben sollte.

Wem wundert es da, wenn für populistische Parteien die große Stunde schlägt. Ich denke da an die Ein-Themen-Partei AfD oder die rechte Pro NRW die hier in Nordrhein-Westphalen die Straßen mit ihren Parolen zugepflastert hat. Somit wird für die eine oder andere kleinere Partei heute ein großer Abend werden. Denn wie wir wissen, hat das Bundesverfassungsgericht am 26. Februar 2014 die 3 Prozent Hürde gekippt. Somit reichen schon 130.000 Stimmen aus, um es sich in Straßbourg so richtig gemütlich zu machen. Kein Wunder wenn Parteien in das europäische Parlament einziehen werden, die eigentlich keiner will.

Gewählt habe ich trotzdem, (oder gerade deshalb) , wenn auch mit einem nicht besonders guten Gefühl. Man hat zwar die demokratisch legitimierte Wahl zwischen den Kandidaten aber nicht zwischen den Themen. Dabei gibt es in Europa viele davon, die dringend Alternativen zu den bisher gemachten Angeboten benötigen. Das Wahlergebnis wird am Ende das Resultat von glanz- und farblosen Auftritten der etablierten Parteien sein.

Es ist also Toleranz gefragt, wenn heute Abend das Wahlergebnis feststehen wird. Toleranz die im Übrigen, ganz Europa gut zu Gesicht stünde. Leider vermisst man diese im europäischen Kontext an so mancher Stelle.

Ich denke da zum Beispiel an den Eurovision Song Contest. Der Gewinner übersah in seiner Toleranzeuphorie völlig, das es europäische Länder gibt, die seine Meinung nicht teilen. Die russischen Teilnehmer wurden gnadenlos ausgepfiffen. Eine solche Toleranz möchte ich nicht.

Toleranz bräuchten wir ebenso, wenn es um Staaten geht, die an den Grenzen der EU liegen. Verfahren wir mit unseren Nachbarn immer so, wie es sich gehört? Was war mit den Interessen Russlands, als man unbedingt die Ukraine in die EU holen wollte?

Wie sind wir mit den mahnenden Worten Russlands umgegangen, als diese von rechten Anhängern auf den Majdan berichtete? Als diese Woche in den den Niederlanden der Rechtspopulist Wilders in den Prognosen auf Platz 4 landete, überschlugen sich die Medien. Von dem Sieger erfuhr man in einem Nebensatz. Warum sind Menschen mit einer rechten Gesinnung in den Niederlanden anders als in der Ukraine?

Warum darf ein Bundespräsident in der Türkei mit den Regierungschef hart in die Kritik gehen, der Selbige bei uns aber nicht? Das Argument Grubenunglück und der menschenverachtende Umgang der türkischen Regierung mit diesen, kam vielen Politikern und Medienvertretern da sehr gelegen.

Wir sollten Toleranz nicht nur einfordern, sondern Europa sollte Toleranz vorleben. Mehrheiten sollten Minderheiten akzeptieren und Minderheiten sollten die Sitten und Handlungsweisen der Mehrheit zur Kenntnis nehmen. Das wäre für mich ein tolerantes Europa.

 

Die Welt ist schön, wenn Du sie änderst!

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