Wir brauchen eine nationale Eurovision-Reform!

Eurovision in Germany - Mit dem Rücken zur Wand
Eurovision in Germany – Mit dem Rücken zur Wand

11 Punkte für Deutschland. Die Bilanz des Abends vom 14. Mai ist ernüchternd. Mein Land und die federführende Rundfunkanstalt der Norddeutsche Rundfunk, hat es wieder einmal nicht verstanden, einen Bewerber zu entsenden, der beim Eurovision Song Contest erfolgreich abschneiden kann. Unter denen die einmal im Jahr den Eurovision Song Contest einschalten, löste das Scoreboard pures Entsetzen aus. Es folgten wie gewohnt harte Kritiken an dem Wettbewerb und den Wertungen der verschiedenen Länder. Einige vermuteten sogar eine politische Entscheidung zu Ungunsten Deutschlands.

Politisch war der Eurovision Song Contest 2016 in der Tat. Ein Weg der den Kenner der Materie nicht unbekannt sein dürfte. Besonders in den letzten Jahren, hatte der Wettbewerb diesbezüglich seine Höhepunkte. Begonnen hatte alles mit der Glorifizierung des österreichischen Siegertitels 2014. Während man von Liebe, Toleranz und Akzeptanz redete, wurde der russische Beitrag aufgrund der Politik des Landes ausgepfiffen.  Dies setzte sich im darauf folgenden Jahr fort, als man von Anfang an gegen den russischen Titel „Millionen Voices“ Stimmung machte.

„Russland als Weltverbesserer? Zum Kotzen!“ Stern.de 16.03.2015

In diesem Jahr versuchte es dann die Ukraine mit gesellschaftspolitischer Kritik und gewann vor Australien und Russland. Als ich den ukrainischen Beitrag am 20.02.2016 zum ersten Mal sah und hörte, hatte ich durchaus Verständnis für den Song. Jedoch war meine Hoffnung groß, dass der Titel von der European Broadcasting Union ausgeschlossen wird. Dies erwies sich wenige Tage später als Trugschluss.

EBU: Beitrag der Ukraine enthält keine politische Aussage
EBU: Beitrag der Ukraine enthält keine politische Aussage

Und dennoch, es wird Zeit das der Wettbewerb wieder unpolitischer wird. Was wäre  gewesen, wenn Russland dieses Jahr gewonnen hätte? Würden wir uns dann beim Eurovision Song Contest über politische Botschaften aus Russland freuen?

Doch zurück zu uns. Wir haben eine Künstlerin entsandt, die nach dem Desaster vom Vorjahr, auch wieder nur eine Verlegenheitslösung war. Erinnern wir uns an Mitte November 2015, als der NDR versuchte neue Wege im Vorentscheid zu beschreiten und Xavier Naidoo nach Stockholm schicken wollte. Einzig allein den Song sollten die Zuschauer auswählen dürfen. Der interessanterweise auch wegen seiner politischen Haltung kritisierte Künstler, wurde von 04091965.de nicht weniger verschont. Dabei ging es mir in der veröffentlichten Wortmeldung „Eurovison Song Contest 2016 – Brief an den NDR“, jedoch eher um die Songs und die damit verbundenen Gewaltaussausagen in den Songtexten. Sie hätte nicht zum Eurovision Song Contest gepasst und diesem im Gegenteil Schaden zugefügt.

Helmut Schreiber seines Zeichens ARD Koordinator Unterhaltung im NDR Fernsehen, antwortete nach dem Rückzug des Künstlers 04091965.de:

„Da der NDR nun seinen Vorschlag zurückgezogen hat und wir im Moment mit Hochdruck daran arbeiten, eine neue Verfahrensweise für den deutschen Vorentscheid zu entwickeln, hoffen wir, dass Sie dem Eurovision Song Contest gewogen bleiben.“

Der Verweis auf eine neue Verfahrensweise ließ hoffen. Doch die Eurovision-Fans in unserem Land, wurden schnell enttäuscht. Was am 25.02.2016 folgte, war ein Vorentscheid der im alten Stil abgehalten wurde. Der einzige Unterschied bestand darin, dass von einer großen Veranstaltungshalle in eine kleines Studio gewechselt wurde. Ansonsten gab es wieder einen „Star“ aus einer Castingshow und jede Menge Bands die gestern mal toll oder nur reine Zählkandidaten waren. Und es gab wie immer eine Moderatorin die an der Veranstaltung so alles richtig „Super“ fand.

Am 14.01.2016 schrieb der User Balu auf Eurovision.de als Kommentar zur Songauswahl:

„Wir können auch jedes Jahr ein 17-jähriges „niedliches“ Mädchen auf die Bühne stellen und einen gähnend langweiligen Song trällern lassen und uns sagen „Der Song ist zwar totlangweilig, aber sie hat halt Charme und wird damit Europa überzeugen“. Ich glaub nicht daran. Weder das Publikum noch die Jurys wird der Ghost Song überzeugen!“

Einen Kommentar, den ich bis zum Tag des diesjährigen Eurovisionsfinales mit vertreten habe. All die Aussagen wie toll unsere Kandidatin doch in Stockholm ankommt und auf der Bühne singt, taten da fast schon weh. Und um das klar zu stellen. Es geht hier nicht um die Sängerin Jamie-Lee Kriewitz, sondern um den Song, der einfach nicht zum Eurovision Song Contest gepasst hat.

Der Sendungsname des Vorentscheides ist eigentlich Programm – „Unser Song für ….“ . Doch kaum hat die Sendung begonnen, kommt die fast entschuldigende Bemerkung: „Es ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei“! Und damit haben wir das Problem auch schon fast beschrieben. Es geht nicht darum, dass wir an dem Abend der Ausstrahlung, die Zuschauer ein bisschen unterhalten. Es muss darum gehen, einen Song zu finden der ganz Europa begeistert! Ein „Kessel Buntes“ hilft nicht weiter. Dieser nutzt maximal irgendwelchen Musikverlagen die alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen. Und es hilft den Machern und Profiteuren der Castingshows.

Der Grund warum Lena 2010 den Eurovision Song Contest gewann, war nicht die Geldmaschine der Produktionsfirma Raab.TV, sondern das ehrliche Interesse am Ende als Gewinner von der Eurovision-Bühne zu steigen. Es war der Ehrgeiz des Herrn Raab der Deutschland zum Gewinner gemacht hat. Und es war die entfachte Euphorie im eigenen Land, die die Grundlage für den Sieg gelegt hat.

Lasst es uns wie die Schweden machen! – Wir brauchen ein Songfestival!

Der deutsche Vorentscheid als gesamtdeutsche Aufgabe
Der deutsche Vorentscheid als gesamtdeutsche Aufgabe

Wir brauchen einen radikalen Wandel des Vorentscheids. Nehmen wir uns ein Beispiel an das skandinavische Land. Machen wir den nächsten Eurovision Song Contest zu einer gemeinsamen Aufgabe. Nehmen wir die Menschen mit und greifen ihre Anregungen und Vorschläge auf.  Zeigen wir mit den Mitteln der Musik, wie weltoffen und freundlich unser Land geworden ist. Machen wir die Nische des Eurovision zu einer nationalen Aufgabe!

Phase 1 – Schwarze Phase

Rufen wir in einem ersten Schritt alle Menschen dieses Landes auf, ihren Vorschlag für den nächsten Eurovision Song Contest einzureichen. So entfachen wir Begeisterung und legen die Grundlage für einen Erfolg beim nächsten internationalen Wettbewerb. Dieser Aufruf und die anschließend folgenden Veranstaltungen sollten von einer Medienpartnerschaft begleitet sein.

Phase 2 – Gelbe Phase

Danach sollten vier regionale Vorrunden in Ost-, Nord-, West- und Süddeutschland stattfinden. Den Vorsitz der Jury darf die federführende ARD-Anstalt bestimmen. Alle weiteren Mitglieder bestimmt der Vorsitzende. Jeder musikinteressierte in Deutschland, kann sich für die Jury oder als Teilnehmer bewerben. Jeder Vorrunde besteht aus 8 Startern. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass die Teilnehmer der regionalen Vorrunden in zusätzlichen Wettbewerben gefunden werden. Denkbar sind zum Beispiel Wettbewerbe an Schulen, externen Veranstaltungen oder regionalen Festen. Qualifizieren dürfen sich für das Finale der Erst- und Zweitplatzierte. Die Wertung ergibt sich aus 50 Prozent des Jury- und aus 50 Prozent des Televotings.

Phase 3 – Rote Phase

Die Jury setzt sich aus den Juryvorsitzenden der Vorrunden zusammen. Die Teilnehmer des nationalen Finales sind die Erst- und Zweitplatzierten der Vorrunden. Die Wertung wird diesmal, nur durch das Zuschauervoting vorgenommen. Als Resultat erhalten wir einen Siegersong hinter dem eine große Anzahl von Menschen steht. Einzig und allein von der Überzeugung getragen, unser Land würdig und erfolgreich beim nächsten Eurovision Song Contest zu vertreten.

 

Die Welt ist schön, wenn Du sie änderst!