Save the Back-Button

Ein jeder von uns, hat schon einmal das Bedürfnis gehabt, auf die vorhergehende Internetseite zurückzukommen. Für diesen Vorgang drückt man im Normallfall den „Zurück-Pfeil“ des Browsers seiner Wahl. Was spätestens seit dem Erscheinen vom Browser „Mosaic“ Anfang 1993 zuverlässig funktionierte, ist seit geraumer Zeit dabei, in den Senken der Internetgeschichte zu verschwinden.

Immer häufiger erhält man beim Aufrufen der vorhergehenden Seite eine Fehlermeldung. Im besten Fall, ist einem die Warnung zur Nichtverwendung dieser Funktion, eines längst in Fleisch und Blut übergegangenen Handlungsschemata, an irgendeiner Stelle des Browsers aufgefallen.

So heißt es zum Beispiel im Portal Elsteronline, das die Online-Dienstleistungen der Finanzverwaltungen bündelt:

„Bitte benutzen Sie, während Sie bei Elsteronline eingeloggt sind, nicht die ‚Zurück‘- oder ‚Back‘-Funktionalität des Browsers, da die Anwendung sonst nicht korrekt arbeitet….“

Im schlechtesten Fall erhält man eine tolle Fehlerseite, die den Endanwender für seine intensive Recherche in Shops oder die Eingabe von Daten mit den Worten belohnt: „Dokument erloschen“. Eingaben in Formularen, wie sie in Internetshops, Suchmaschinen, Buchungssystemen oder Umfragen zu finden sind, darf der User dann gern noch einmal vornehmen.

Die Ursache dieses Fehlverhaltens, ist meist in dynamischen Webseiten zu finden. Eigentlich eine schöne Sache, wenn der Nachrichtenticker einen mit den neuesten News empfängt, die ausgerechnet zu meinen favorisierten Themen passen.

Es ist (zumindest für die Advertisingindustrie) prima, wenn die Onlinewerbung von Google, Facebook oder Bing,  genau die Bilder oder Links enthält, nach denen ich eben noch recherchiert habe. Wann haben Sie das letzte Mal an eine Umfrage teilgenommen oder die Wettermeldungen ihres Ortes gelesen? Alle diese Angebote beruhen auf dynamische Webseiten und sind somit potentielle Antagonisten des „Zurückbrowsens“.

In den ersten Jahren nach dem Start der Auszeichnungssprache HTML, hatte man alle Inhalte in eine Internetseite gepackt. Verschiedene Programmiersprachen wie PHP, JEE, .NET oder Standards wie z.B. XML und CSS haben dieses Vorgehen, im Laufe der Zeit revolutioniert. Texte und Bilder werden heutzutage getrennt von den technischen Elementen wie Scripte oder Layout-Vorlagen von einem Server heruntergeladen und erst dann zu einer Webseite zusammengefügt.

Entscheidet man sich auf einer dynamisch erzeugten Seite, für den gewohnten Weg zurück, werden die Inhalte nicht mehr vom Server geladen, sondern aus dem Cache des Browsers  geholt. Ergebnis dieses technischen Vorgehens, sind dann die beschriebene Fehlermeldungen.

Save the Back-Button
Save the Back-Button

Es ist erstaunlich, dass eine so ausgefeilte Technologie, es nicht zulässt, dass gewohnte Arbeitstechniken weiterverwendet werden können.
Der Literaturpreisträger von 1981 Elias Canetti prägte einmal den Satz:

„Das Gefährlichste an der Technik ist, dass sie ablenkt von dem, was den Menschen wirklich ausmacht, von dem, was er wirklich braucht“.

Die Entwicklung von technischen Möglichkeiten sollte immer für den Menschen da sein, und nicht umgekehrt.

Mitunter steckt in der Neueingabe von Daten viel zeitlicher Aufwand. Nicht jeder Nutzer beherrscht das Schreiben mit 10-Fingern perfekt. Denen ist es nur schwer zu vermitteln, dass ihre Arbeit des „Eintippens“ umsonst war und Software-Ergonomie für so manchen Hersteller, erst nach dem Umsetzen von technischen Lösungen kommt.

Was in diesem Kontext ähnlich ärgerlich ist, ist die Bevormundung des Endanwenders. So verschwindet einfach mal die Menüleiste, weil dies als programmiertechnisch fortschrittlich gilt. Das viele Benutzer dann stundenlang dasselbige suchen, scheint niemanden zu interessieren. Ebenso ist der umsichgreifende Zwang zum Update, aus meiner Sicht sehr bedenklich. Viele User wundern sich, dass die genutzte Software, die gestern noch perfekt funktionierte, heute nicht mehr seinen Dienst tut. Ursachen sind meist liebgewonnene Plug-Ins oder Erweiterungen. Für technisch affine Menschen ist das kein Problem. Für den Nachbar von Nebenan oder so manches Mitglied der Familie schon.

Seit der Version 26 des Browsers Firefox gibt es die als „Click to Play“ vermarktete Funktion. Eigentlich wollte man den User mehr Kontrolle über die genutzten Techniken geben. Dieser ist jedoch bis auf wenige Ausnahmen, nicht mehr in der Lage selbst zu entscheiden, ob er das Plugin aktualisieren möchte. Im Gegenteil – er wird dazu gezwungen, wenn sein System wie bisher funktionieren soll. Nutzer des Browsers der Mozilla Foundation und des Plugins Adobe Flash Players können dies sicher bestätigen. Waren Sie es doch, die in den vergangenen Tagen, das Plugin gleich zweimal aktualisieren mussten.

Ein gefährlicher Weg, den man mit dieser Entwicklung geht. Die Entmündigung des Users sollte ein Ende finden. Er muss selbst entscheiden können, ob er ein Update vornimmt oder nicht.  Jeder Halter und jeder Fahrer eines Kraftfahrzeuges, ist allein für die Sicherheit des Fahrzeuges verantwortlich. Warum sollte es bei der Sicherheit im Internet anders sein?

Heute sind es Plugins, morgen sind es Inhalte die mit derartigen Techniken blockiert werden können. Gebt den User die Freiheit zurück, sein Interneterlebnis so zu gestalten, wie er es möchte!

Software an den Bedürfnissen vorbei zu entwickeln können auch andere. Am 26. Oktober 2012 veröffentlichte Microsoft das Betriebssystem Windows 8.0. Neben der Verbesserung der Stabilität und Geschwindigkeit, stand die Idee den verpatzten Start bei mobilen Endgeräten durch Veränderung der Oberfläche aufzuholen. Die Maus als Eingabegerät sollte der Bedienung mittels Touchscreen weichen.

Millionen von Nutzern des Betriebssystems Windows 7 wollten jedoch davon nichts wissen und verweigerten den Konzern, den Umstieg auf die als Modern UI bekannt gewordene Oberfläche. Stattdessen stieg der Marktanteil von Windows 7 noch an und die Hersteller von Endgeräten standen den neuen Betriebssystem immer skeptischer gegenüber. Es blieb dem Unternehmen nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen. Mit Windows 8.1 kehrte das Startmenü in geänderter Form zurück und fortan erhielt der User die Möglichkeit, den gewohnten Desktop beim Start wieder vorzufinden.

Wer sich in Windows 8 dennoch auf die neue Oberfläche einließ, der konnte schnell feststellen, dass die Idee der Modern UI nicht so schlecht ist. Richtete man sich die neue Oberfläche ein, war der Start von Programmen viel schneller zu bewerkstelligen, als es mit dem Startmenü je möglich gewesen wäre. Im Hause Microsoft hat man diese Lektion verstanden. Mit Windows 10 hat der User freie Wahl. Der traditionelle Desktop-PC, das Notebook und mobile Endgeräte werden eins ohne den User vorzuschreiben, welche Bedienelemente er benutzen soll. Längst fällige Features wie die Möglichkeit virtuelle Desktops zu nutzen, werden Einzug halten. Der Umstieg wird übrigens allen Windows 7 und Nutzern der Nachfolge-Versionen besonders schmackhaft gemacht. Mit Außnahme der Enterprise-Versionen,  ist für alle anderen der kostenlose Umstieg auf Windows 10 möglich.

Wechseln wir vom Thema Software in den Hardwarebereich. Kennen Sie das Problem? Sie haben ein Micro-USB Kabel und wissen nicht in welcher Richtung sie das Endgerät verbinden müssen um das Gerät wieder aufzuladen. Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, eine der beiden Seiten des Steckers farblich abzuheben. So könnte man völlig unproblematisch das Gerät verbinden ohne die Furcht zu haben, dieses zu zerstören. Die meisten Stecker haben eine leichte Vertiefung mit einen USB Layout Aufdruck. Diese ist allerdings schwer zu ertasten. Der Vorschlag der farblichen Markierung, würde da schnell Abhilfe schaffen.

usb

 

 

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