Fröhliche Weihnachten – eine politische Weihnachtsgeschichte

Kling Glöckchen klingelingeling, kling Glöckchen kling….. singe ich gemütlich auf meinen Weg. Ich nähere mich in dieser Nacht dem Münchner Rathaus. Neuerdings bediene ich mich eines elektrischen Fahrrades und verzichtet auf die traditionelle Kutsche mit den Rentieren. Ausschlaggebend dafür, war nicht nur die drohende Klimaerwärmung, sondern eine vor 12 Monaten unheimliche Begegnung mit Herrn H. Dieser hatte natürlich auch einen Vornamen. Da die Abkürzung allerdings zu historischen Verwechslungen führen würde, sei diese hier nicht erwähnt. Der Mann sah mir ziemlich ähnlich. Insbesondere die Haarpracht ließ ein fernes Verwandtschaftsverhältnis vermuten.

Er erzählte mir von einem Freihandelsabkommen und wie gefährlich dieses für die heimische Agarindustrie und die Tiere Deutschlands sei. „Und überhaupt diene dieses TTIP einzig und allein der Gewinnmaximierung der Nahrungsmittelindustrie.“ Er empfahl mir ab Morgen nur noch leckere Vegi-Burger zu essen. Damit würde ich mithelfen, die Abgase zu verringern die all die Kühe produzieren würden. Mein Einwand, das meine in Rente geschickten Zugtiere nicht Schwarz-Weiß seien und diese wenn überhaupt nur in Abwesenheit pupsen würden, ließ er nicht gelten. Stattdessen erwähnte er noch die gefährliche Nahrung aus Amerika am Beispiel des Chlorhühnchens. Verdutzt schaute ich ihn an. Auf meinen Reisen durch Europa, komme ich immer wieder an Fabriken vorbei die geschnittenes Gemüse zur Desinfektion in Chlorwasser baden.

Rathaus in München
Rathaus in München

Am Rathaus angekommen, lasse ich jede Menge Geschenke für die fleißigen Helfer da, die im zurückliegenden Jahr hunderttausende Menschen in Not halfen. Danach eile ich zum Treffen in die Staatskanzlei. Eine große Weihnachtsparty wartet auf mich.

Beim anschließenden Statement des Herrn S, werde ich jedoch sehr ärgerlich. Immer wieder spricht er von einer Obergrenze. Seit wann gibt es beim Verteilen von Geschenken ein  definiertes Ende? Ho, Ho, Ho, lasse ich es ertönen und versuche damit meinen Unmut auszudrücken. Irgendwie scheint dies dem Gastgeber jedoch nicht in den Kram zu passen. Er zitiert mich an seine Seite. Geschlagene 15 Minuten höre ich mir seine Generalpredigt an. Ich schaue ihn verärgert an und ergreife das Wort. „Ich verstehe ihre Äußerungen nicht.  Wollen sie das Weihnachtsfest kaputt machen? Das Recht auf Weihnachtsgeschenke kennt keine Obergrenze!“

Für diese Antwort werde ich auf den nächsten Weihnachtskongress vorraussichtlich mit zwei einsamen Gegenstimmen belohnt. Beim gehen, sehe ich in die besorgten Gesichter und lasse zur Versöhnung noch ein freundliches „Wir schaffen das!“ da.

Der nächste Weg führt mich nach Sachsen. Ich will unbedingt die Leute von Pegida besuchen. Das scheint etwas Besonderes zu sein. Mir wurde aus dem Weihnachtsministerium mitgeteilt, das ganz Deutschland danach googelt. Ja auch wir nutzen diesen modernen Dienst. Für diese Leistung mussten wir zwar in den letzten Jahren, Millionen von Datensätzen übergeben doch hat dieses Vorgehen auch seine Vorteile. Unsere Chef weiß neuerdings schon im Februar, wer im Dezember die meisten Geschenke bekommt.

Ich muss mich beeilen. Langsam wird es dunkel und ich will doch wenigstens noch den Untergang des Abendlandes erleben. Die Menschen sind alle sehr ernst und schlecht gelaunt. Mit mir wollen sie nicht sprechen. Irgendwie scheinen sie mich mit jemanden zu verwechseln. Ich sei doch nicht der Weihnachtsmann, sondern ein versteckter Herr von dieser Lügenpresse. Meine rote Kleidung ist einfach zu auffällig. Ich hätte mich braun kleiden sollen. Das wäre gerade auf der Rednertribüne und in der Dunkelheit nicht aufgefallen. Denn irgendwie düster ist es hier schon. Bei meinen vorherigen Besuchen, war zumindest die Semperoper immer beleuchtet.

Ich beschließe auf mein Bike zu steigen und nach Frankfurt (Main) zu fahren. Der DFB wartet auf meine Präsente. Im letzten Jahr als die deutsche Fußballnationalmannschaft Weltmeister wurde, war die Zeit dafür einfach zu knapp. Beim Hineingehen in das Hermann-Neuberger-Haus in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise 6, stürze ich über einen dunklen Kasten. Beim genauen Hinsehen erkenne ich Datenerfassungsgerät wie man es von den vielen Kaufhäusern kennt. Im Foyer hat man einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Ich lege die Überraschungen darunter und will gerade das Gebäude verlassen, als mich jemand fragt, ob ich die schwarze Kasse gesehen hätte. Ich verneine, denn ich habe Angst das ich sie beim darüber stolpern kaputt gemacht habe und erkläre mit einem schelmischen Ho Ho Ho, dass es in diesem Hause keine schwarzen Kassen gibt.

Der Weihnachtsmann hat viel zu tun.
Der Weihnachtsmann hat viel zu tun.

Verschwitzt aber froh diese pikante Situation hinter mich zu lassen, düse ich nach Köln. Da hat man mir ein Angebot für das nächste Jahr gemacht. Ich solle bei „Schlag den Star“ auftreten, da es das Original in Form des Herrn R. nicht mehr gibt. Ich erkläre den Verantwortlichen, dass ich kein Geld wolle. Aber gern könnte mir jemand die ganze Schlepperei abnehmen. Das wird ja von Jahr zu Jahr schlimmer. Diese Worte hörte auch ein in ein rot-gelbes Dress gekleideter Mann. Er musste wohl von der Konkurrenz sein und hatte nicht weniger zu tragen als ich. „Da haste Recht Kumpel“ rief er mir noch hinterher.

Auch ein Weihnachtsmann hat mal ein Recht auf Pause. Und so stieg ich mit meinem Bike, in einen Flieger nach Berlin. Kaum aufgestiegen, ging ein riesiges Theater los. Die Stewardess fragte mich nach Kaffee. Als ich sagte, dass Weihnachtsmänner grundsätzlich keinen Kaffee trinken, lachte sie mich aus. Ich griff zum Äußersten und holte zur Warnung meine Rute hervor, die sie jedoch irgendwie missverstand. In dem Moment hatte ich das Gefühl, dass mein Bart nicht gerde zur Deeskalation beitrug.

Der Kapitän ließ verlauten, dass wir aufgrund eines Zwischenfalls in Berlin auf den BER notlanden müssten. Dort angekommen, erwartete ich ein großes Polizeiaufgebot. Doch nichts dergleichen. Die waren wohl in den Stadtbezirken Neukölln, Wedding, Moabit, Kreuzberg und Charlottenburg beschäftigt. Zwangsläufig ließ man mich samt Fahrrad und Geschenke ziehen. Wieso nimmt mich eigentlich niemand mehr ernst? Glaubt denn niemand mehr an mich?

Ich fasste dennoch neuen Mut und wollte den Angestellten des Flughafens ein paar Geschenke überreichen. Doch außer ein paar Bauarbeiter sah ich keinen Menschen. Ein Flughafen auf dem nichts passiert? Das muss doch Milliarden kosten! Die Freude ist groß, als an einem Terminal wenigstens eine S-Bahn ankommt. Freudestrahlend überreiche ich den Zugführer ein dickes Paket. Bei der Übergabe bedankt er sich artig mit einem Gedicht. – „Lieber guter Weihnachtsmann schaue mich bitte nicht so böse an. Stecke deine Route ein, dann wird das hier ´ne Freifahrt sein!“

Unter den Linden steige ich aus. Wie immer drängt die Zeit. Ich öffne die Tür zur amerikanischen Botschaft. Ho, Ho, Ho ich bin der Weihnachtsmann rufe ich in den Empfang. Oh my God, Santa Claus is here! – schallt es mir entgegen. Excus me! I want you visit, before the future president hate me too. „Since when, can Santa Claus see in the future?“ – fragte mich ein nette junge Frau. Ich antworte ihr auf Deutsch. Ho, Ho, Ho und mache mich aus dem Staub.

 

Die Welt ist schön, wenn Du sie änderst!