Eurovison Song Contest 2016 – Brief an den NDR

Sehr geehrter Herr Intendant,

In vielen Nachrichtensendungen die der NDR produziert, wird der Hass, der in so mancher Nachricht in den sozialen Netzwerken verbreitet wird, (zurecht) verurteilt. Die Menschen die auf Demonstrationen die Medien kritisieren, werden als lächerlich hingestellt.

Die Entscheidung für den Interpreten, ist ein Signal für die Doppelmoral die den Medien in Deutschland vorgeworfen wird.

„Ich schneid‘ euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch“ Xavier Naidoo

Unabhängig vom Kontext dieses Liedes, sind diese Textzeilen nichts als Gewalt. Gewalt gegen Gewalt – Ist das Freiheit, Toleranz und Liebe für die der Eurovision Song Contest steht?

Es ist nichts anderes als die Aufforderung Hass zu sähen. Aber dies ist den verantwortlichen beim NDR wohl egal. Seit meiner Kindheit bin ich ein großer Fan des Eurovision Song Contest. Er steht für ein Europa, das weiß wie es mit unterschiedlichen Kulturen, Meinungen und Lebensentscheidungen umgeht.

Für den Eurovision Song Contest ist diese Nominierung ein Desaster. Wer Gewalt als Mittel von Problemlösungen akzeptiert, der hat dort nichts zu suchen.

Ich bin über diese Entscheidung enttäuscht.

Freundliche Grüße

Frank Mögelin

2 Kommentare "Eurovison Song Contest 2016 – Brief an den NDR"

  1. fkmoegelin   21. November 2015 at 14:48

    Es ist geschafft. Xavier Naidoo vertritt Deutschland nicht beim Eurovision Song Contest 2015. Danke für den Protest.

  2. fkmoegelin   4. Dezember 2015 at 18:16

    Sehr geehrter Herr Mögelin,

    vielen Dank für Ihren Brief an den Intendanten des Norddeutschen Rundfunks. Herr Marmor bat mich, Ihnen zuständigkeitshalber direkt zu antworten.
    Wie Sie wissen, hat der NDR seinen Vorschlag, Xavier Naidoo als Vertreter Deutschlands beim Eurovision Song Contest 2016 zu nominieren, zurückgezogen.
    Der Eurovision Song Contest ist ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen. Dieser Charakter muss unbedingt erhalten bleiben. Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden.

    Das von Ihnen gewählte Zitat aus einem Hidden Track auf dem Album von Kool Savas und Xavier Naidoo ist sicher nicht gewaltfrei, gleichzeitig hat Xavier Naidoo die Entstehung dieser Textzeilen in der Dokumentation „Bei meiner Seele“ erklärt:
    „In dem Fall hab ich gedacht: Komm, das ist jetzt ein Hiphop-Album, da kann man jetzt halt ein bissl härtere Töne anschlagen und mein Rap war halt da auch gesalzen. (…) Es ist ja auch wichtig, solche Momente in der Kunst festhalten zu können. Warum gibt es Bilder, die dich abstoßen, die dich im Innersten treffen, wo du denkst: Mein Gott, was hat der da festgehalten. Das mach ich da halt auch. Das ist Kunst.“

    Vor dem Hintergrund, dass Xavier Naidoo als Kind selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs war und sich dezidiert mit dem Fall Dutroux beschäftigt hat, mag dies eine Erklärung für die harte Wortwahl sein, wenngleich Ihrer Aussage, dass es sich hierbei um reine Gewalt handelt, nicht zu widersprechen ist. Nach seiner eigenen Aussage ist der Liedtext als hilflose Rachefantasie aus der Perspektive eines Minderjährigen geschrieben, der Opfer von pädophilen Gewalttätern ist. Gleichwohl möchte ich darauf hinweisen, dass diese eine Zeile aus hunderten von Liedern von Xavier Naidoo/Söhne Mannheims ist und sich mannigfach Zitate finden lassen, in der Naidoo sich für Liebe, Toleranz etc. ausspricht.

    Da der NDR nun seinen Vorschlag zurückgezogen hat und wir im Moment mit Hochdruck daran arbeiten, eine neue Verfahrensweise für den deutschen Vorentscheid zu entwickeln, hoffen wir, dass Sie dem Eurovision Song Contest gewogen bleiben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Schreiber

    Thomas Schreiber
    ARD Koordinator Unterhaltung
    NDR Fernsehen
    Leiter des Programmbereichs
    Fiktion & Unterhaltung