Ein halbes Jahrhundert – 1995 bis 2004

2000 - ILA Schönefeld
2000 – ILA Schönefeld

Ab dem 24. Juni 1995 wird der deutsche Reichstag zum Kunstobjekt. Christo und Jeanne-Claude verhüllen nach langem Streit das zukünftige Haus des Deutschen Bundestages. Ich bin inzwischen

der Grünen Partei beigetreten. Es war mehr der Wille etwas politisch zu tun, als die Überzeugung für die Grünen Ideen. Kaum in der Partei angekommen, kandidiere ich für die Bezirksverordnetenversammlung von Hohenschönhausen. Ich klebe Plakate und gehe in Jugendclubs um auf Podien mich dem Wahlvolk zu stellen. Am Ende fehlen nun ein paar Prozentpunkte nach dem Komma, um in der Politik so richtig durchzustarten. Zwei Jahre danach, verließ ich die Grünen wieder. Nach außen vertraten wir ganz tolle neue Ideen. Kaum saßen wir aber intern zusammen, ging es nur darum wer das schnellste Auto fährt oder sich am meisten geleistet hat. Ein Widerspruch den ich mit meinen Grundsätzen von politischer Ehrlichkeit, nicht vereinbaren konnte.

Inzwischen habe ich mir einen richtigen Computer geleistet. Davor war es ein Amiga 500. Der neue kommt mit einem 286er Prozessor daher. Windows 3.1 läuft darauf etwas schleppend. Wenn es zu langsam geht, kann ich die Power-Taste drücken. Damit erhöhe ich die Leistungsfähigkeit von 8 MHZ auf 16 MHZ. Kurze Zeit später, bekam ich das erste Modem. Mit diesem Wunderding konnte ich den Bildschirmdienst der Deutschen Post nutzen. Ab und zu, war schon die Rede von diesem „Internet“. Allerdings galt es für einfache Nutzer, noch als unerschwinglich. In den Mailboxen die ich mittels des 2400er Modems aktiv nutzte, gab es die Möglichkeit eine Mailadresse zu mieten. 1996 schloss ich dann einen Vertrag bei T-Online ab. Die erste Internetseite die ich mit meinem Leben sah, war die des FAB. (Fernsehen aus Berlin). Es war eine bekannte Adresse. Denn ein paar Wochen zuvor, hatte mich eine Partnervermittlung ins TV dieses privaten Senders gebracht.

1998 wird Gerhardt Schröder zum Bundeskanzler gewählt. Was für ein Freudentag und was für eine politische Auseinandersetzungen in der Familie. Meine Brüder sind inzwischen ihre eigenen Wege gegangen. Einer von Ihnen, wohnt und arbeitet jetzt im Bayrischen Wald. Dies hinterlässt natürlich auch politische Spuren. Meine Stimme bekommt der neue Kanzler für seine Geradlinigkeit und für das Gespür Veränderungen durchzusetzen, wenn diese notwendig sind. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten fanden wir 5 immer wieder zusammen.

2000 - 60. Geburtstag meines Vaters
2000 – 60. Geburtstag meines Vaters

1999 dann das Jahrhundert Ereignis. Mit meinen Eltern fuhren wir in Richtung Bayern, um die totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Wir trafen uns mit meinem Bruder um die richtige Stelle zu finden. Wie immer war ich für die Wettervorhersage zuständig. Also studierte ich tagelang die Wetterkarten. Am 11.08.1999 war es soweit. Ein wolkenverhangener Himmel begrüßte uns am frühen Morgen. Wir fuhren zu einem Ort, an dem die Chancen aus meiner Sicht am größten waren, die SoFi zu erleben. Noch 5 Minuten vorher regnete es in Strömen. Traurige Gesichter bei allen Menschen, die auf dem Feld standen. Dann tat sich eine riesige Wolkenlücke auf und wir konnten das Naturereignis in voller Pracht erleben. Was für ein Tag für mich!

Mit dem 11.09.2001, folgte eine Zeit tiefer Bestürzung. Ich war gegen 15.00 Uhr zu Hause. Beim Zappen durch die Sender, blieb ich bei einem Nachrichtensender hängen. Ein Flugzeug war in das World-Trade-Center geflogen. Ich saß auf meiner Couch. Mit unfassbaren Blick nahm ich das Geschehene auf. Es folgte das 2. Flugzeug. Ich telefonierte mit meinen Eltern um die Ereignisse zu verarbeiten. Mein Vater und meine 2 Brüder, waren zwei Jahr vorher auf diesem Gebäude gewesen.

Nach der Jahrtausendwende wurde die Verantwortung in der Küche riesig. Inzwischen stand ich mit einer Handvoll Frauen allein in der Küche. Ein anderes Unternehmen hatte uns übernommen und „eingegliedert“. Der Tag begann um 4.30 Uhr und endete in den meisten Fällen erst am späten Nachmittag. Einmal in der Woche entwarf ich den Speiseplan. Nach der Abnahme, bestellte ich alle benötigten Waren. Der erste Lieferwagen stand dann um 6.00 Uhr an der Tür. Der letzte gegen 14.00 Uhr. Zwischendurch bereiteten wir das Essen zu, um dann pünktlich um 12.00 Uhr dieses auszugeben. Nach der Reinigung der Küchenkessel, ging es dann meist völlig durchnässt ins Tiefkühlhaus um die Ware für den nächsten Tag zusammenzustellen. Zwischendurch arbeitete ich die Kritiken des aktuellen Tages ab. Das Unternehmen wusste unsere Arbeit zu schätzen – Das Geld reichte zum Leben – Zu mehr auch nicht.

2003 leistete ich mir dann die erste Reise innerhalb Deutschlands. Ich fuhr nach Hannover zum Konzert von Robby Williams. Meine Freundin blieb zu Hause denn sie hatte einen Mann und ein Kind. Inzwischen hatte ich schon das erste Handy das Imstande war, eine SMS zu verschicken. Im Improvisieren war ich in dieser Zeit König. Während des Songs „Angels“ lag ein verbundenes Phone in meinen Armen. Das Jahr bot zugleich die Möglichkeit richtig stolz auf Deutschland zu sein. Die Bundesrepublik beharrte auf die Aussage, die Gerhardt Schröder im Jahr 2002 gemacht hatte. Unter seiner Führung werde sich Deutschland nicht am Irak-Krieg beteiligen, so seine damalige Aussage. Es blieb dabei.

2004 - Bei der Arbeit
2004 – Bei der Arbeit

2004 entschieden sich meine Eltern, ebenfalls in den wunderschönen Bayrischen Wald zu wechseln. Mein Bruder hatte sich dort bestens integriert und beschloss zusammen mit meinen Eltern ein Haus zu kaufen. Der Urlaub war somit gesichert. Als kleine Entschädigung war es von nun meine Aufgabe, einmal im Jahr den Zaun zu streichen.

Meine Haut begann gegen die Dauerbelastung auf der Arbeit zu rebellieren. Ich versuchte alles um diese Änderung aufzuhalten. Doch die Qual wurde von Tag zu Tag schlimmer. Hinter meinen Rücken, spürte ich die Menschen sagen, wie ich denn nur wieder aussehe. Vor mir stehend, vernehme ich das geheuchelte Mitleid. Es sind Erfahrungen die einen prägen. Verzweifelt suche ich nach Auswege. Schreibe Bewerbungen für Hilfsjobs in Büros. In meiner Tätigkeit hatte ich inzwischen genug Erfahrungen mit Excel, Word und Co gesammelt. Berlin hat in dieser Zeit eine Arbeitslosenquote von 15,6 Prozent aufzuweisen. Die Chancen einen erfolgreichen Wechsels, ohne eine entsprechende Fortbildungsmöglichkeit in Anspruch zu nehmen, war somit sehr gering.

Um Entspannung zu finden, ziehe ich zum ersten Mal in meinem Leben Laufschuhe an …