Der König ist tot, es lebe der König! – Eine Falschmeldung!?

Helmut Kohl war tot. Genau genommen waren es die Macher des Onlineablegers der Tageszeitung „Die Welt“, die Helmut Kohl für ganze 102 Sekunden im Jenseits sahen. Nur zu dumm, das der hochbetagte Altkanzler zurzeit noch andere Pläne hegt, als der Menschheit unendliche Nachrufe zu schenken. Ein neues Redaktionssystem soll an dem Drama schuld gewesen sein. Lässt man wirklich in Deutschlands Redaktionen, Journalisten auf neuen Systeme los, ohne sie einzuarbeiten?

Die Erklärung zum Missgeschick mit Bezug auf die neue Software, liest sich auch nicht besonders professionell.

„In dieser neuen Version sind einige Bedienelemente verändert und an andere Stellen der Benutzeroberfläche verlagert worden. Und wie das so ist beim Gewohnheitstier Mensch: Man klickt bei der Produktion eines Artikels dorthin, wo man seit Jahren hingeklickt hat. So passierte das Missgeschick. Statt einen nicht zur Publikation vorgesehenen Artikel lediglich zu speichern, wurde er publiziert.“ Quelle: Welt.de

Diese Entschuldigung kann man akzeptieren. Tagtäglich passieren uns Menschen, kleinere ungewollte Fehler die man nicht möchte. So hat uns die Natur gemacht. – Keiner ist fehlerfrei – Dennoch stellt sich die Frage, ob wir diese nicht dadurch minimieren können, dass technische Spielereien unterbleiben. Müssen zum Beispiel Menüs in Internetbrowser verschwinden, obwohl man jahrelang damit erfolgreich hat. Müssen sich wie im Artikel „Save the Back-Button“ beschrieben, bewährte Elemente wie der „Back-Button“ verabschieden, nur um Techniken durchzusetzen, die nicht besonders anwenderfreundlich sind?

Nichts gegen neuartige Arbeitsflächen. Sie sind ein Beweis für die Kreativität von Designern und Entwicklern. Dennoch sollten sie den Fortschritt widerspiegeln und nicht den Egoismus von Technikfanatikern. Lust auf ein Experiment? – Geben Sie einen älteren Menschen ein Phone mit dem Betriebssystem Android und eines mit dem viel gescholtenen Betriebssystem Windows mobile. Es wird sie erstaunen, welche Oberfläche er als angenehmer, lesbarer und schneller erlernbar erachtet. Machen Sie es! Probieren Sie es aus!

Intuitive Arbeitsumgebungen machen das Leben leichter. Inwieweit die Systeme von welt.de sich verbessert haben, kann man nicht sagen. Aber der Hinweis das Bedienelemente an anderer Stelle verlagert worden sind, lässt vermuten, dass die Anwenderfreundlichkeit nach der Änderung nicht unbedingt gegeben war. Bei allem Verständnis für den Fehler, darf es jedoch gestattet sein, eine redaktionelle Kritik anzubringen. Hätte es keinen vorbereiteten Nachruf gegeben, wäre das Missgeschick nicht passiert. Welt.de behauptet, dieses Vorgehen wäre journalistische Praxis. Prima! Dann wird es den Verantwortlichen ja jetzt eine Lehre gewesen sein. Die dann hoffentlich dazu führt, dass dieser Unsinn beendet wird. Einen Tweet mit 140 Zeichen bekommt doch auch der schlechtbezahlteste Praktikant hin.

referendumGleich ein ganzes „Königreich“ samt seiner Währung, haben viele Politiker der EU abgeschrieben. Es kann einem die Sprache verschlagen was im Herzen von Europa passiert. Die Verantwortung für die jahrelange Misswirtschaft unter ihren Politikern, tragen die Griechen selbst. Sie haben diese gewählt und unterstützt. Zu verantworten haben die Griechen die Wahl der Syriza zur stärksten Partei. Zu verantworten haben die Griechen, Yanis Varoufakis der sich als Ökonom intensiv mit Spieltheorie beschäftigte, und am Ende bei den unzähligen Verhandlungen mit der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (Institutionen) falsch gelegen hat. Der Konflikt war und ist sehr verfahren. Gerade deshalb haben mich die Menschen vor den Geldautomaten, die nur 60,00 € pro Tag erhielten tief bewegt. Unvergessen das Bild des weinenden Rentners Giorgos Chatzifotiadis (77), der bei mehreren Banken vor verschlossenen Türen stand.

Die harten Reaktionen der anderen europäischen Länder, auf die fast hoffnungslose Lage in Griechenland, sind dennoch verständlich. Der Premier Italiens Matteo Renzi brachte es in seiner Europarede am 01.07.2015 in Berlin auf den Punkt: „Wir haben nicht in Italien Pensionen gekürzt um sie jetzt in Griechenland zu bezahlen.“ Was sollen die Politiker Spaniens, Portugals, Irlands und Zypern ihren Menschen sagen, wenn Griechenlands Anstrengungen aus der Krise zu kommen, nur halbherzig sind. Seit dem Wahlerfolg der Syriza Partei am 25.01.2015 hat es nicht eine einzige Reform gegeben. Man wusste zu jedem Zeitpunkt was man nicht wollte. Aber der Mut zu Änderungen im Land hat bisher immer gefehlt. Von linken Politikern unseres Landes wird immer das Argument gebracht, das die Banken 90 Prozent der bisherigen Griechenlandhilfen erhielten. Dabei wird gern verschwiegen, dass die Banken als Kapitalsammelstellen Teil des Wirtschaftskreislaufes unverzichtbar sind.

Das griechische Referendum, das trotz großer Zustimmung zum „Nein“ zurecht kritisiert wurde, hat überraschend die Sicht klarer gemacht. Beide Seiten begegnen sich offener und ehrlicher. Großen Respekt habe ich vor Minsterpräsident Alexis Tsipras, weil dieser sich am 08.07.2015 den Abgeordneten im EU-Parlament gestellt hat. Es war bei weitem kein einfacher Auftritt. Und so manches Medium hätte, sich die Deklassierung als Showauftritt, sparen können. Wie man an der Rede des Liberalen Guy Verhofstadt erkennen konnte, war es eine harte aber faire Auseinandersetzung. Die Zeit für eine Abwendung einer humanitären Katastrophe in Griechenland, läuft unerbittlich ab. Ich hoffe sehr, dass eine Einigung auf den letzten Metern gelingt.

panoramafreiheitUnd noch ein König lebt weiter – Die Panoramafreiheit. Eigentlich sollte man meinen hätten die EU-Parlamentarier in diesen Tagen andere Probleme. Dennoch ist das Parlament groß und hat einige Ausschüsse zu bieten.  Einer von 22 ist der Rechtsausschuss. Die Abgeordnete der Piraten Julia Redert (28), ich hoffe sie kennen diese Partei noch, wollte in Sachen Abbildungen von urheberrechtlich geschützten Werken im öffentlichen Raum – der sogenannten Panoramafreiheit die Welt ändern. „Klarmachen zum Ändern“ heißt ein Parteislogan. Doch aus dem Ändern wurde fast ein Kentern. Die Abgeordnete hielt die Regelungen in Deutschland für alle Länder erforderlich. Allerdings hatte sie die Rechnung ohne die langgedienten Parlamentarier der EU gemacht. Aus der ursprünglichen Forderung, wurde das komplette Gegenteil. Das Fotografieren von Werken im öffentlichen Raum, die jünger als 70 Jahre alt sind, sollte nur mit der Genehmigung des Urhebers erfolgen dürfen.

Zum Glück hat sich das EU Parlament in Straßburg am 9.7.2015 mit großer Mehrheit gegen die vom Rechtsausschuss betriebene Kehrtwende entschieden. Es bleibt also alles beim alten. Posten sie nach Herzenslust Bilder von Gebäuden im Rahmen der Panormafreiheit bei Facebook.

Es lebe der König! – Auch aus den öffentlich-rechtlichen Sender ARD ist der Weckruf zu hören. Seit dem 04. Juli sendet man wieder eine komplette Live- Berichterstattung der Tour de France. Erst 2012 hatten sich der Sender  mit dem  ZDF aus der Übertragung komplett zurückgezogen. Eine Zeitlang war ich selbst begeisterter Fan dieser Sportart. Beginnend mit der Tour 1998 und der Festina Affäre sank mein Interesse. Es folgten Skandale von Tour-Gewinner wie Miguel Indurain, Lance Armstrong, Bjarne Riis und Jan Ullrich in Verbindung mit langjährigen Prozessen, Lügen und am Ende Geständnisse. Nun möchte man uns den Gebührenzahler erzählen, dass die rollende Apotheke Vergangenheit ist. Ich und viele Freunde des ehrlichen Sports glauben ihnen diese Beteuerung nicht. Schon nach der 4. Etappe gab es den ersten Dopingfall. Dem italienische Radprofi Luca Paolini wurde in der A-Probe Kokain nachgewiesen. Und natürlich beteuert er seine Unschuld…….

 

Die Welt ist schön, wenn Du sie änderst!