Nichts ist für Immer?

Unser Bundespräsident hat gestern eine viel beachtete Rede gehalten. In dieser forderte er eine neue internationale Rolle für unser Land. Wenn es sein muss, auch mit Waffengewalt. Fast 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, sollte mal Schluss sein mit dem Verweis auf die schreckliche Vergangenheit und Deutschland müsse es der Welt mal so richtig zeigen. Schließlich sei man zu einer der Führungsmächte geworden und da könne man sich nicht abwenden, wenn es keine andere Lösung mehr gebe, als die Sprache der Waffengewalt.

Bundespräsident Gauck in Bonn
Bundespräsident Gauck in Bonn

Gauck bezog sich in seiner Rede, auf die Wahrung der Menschenrechte. Ein anderer Bundespräsident war da schon mal entschieden ehrlicher: “ Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege…“ Diesen Satz sagte Horst Köhler am 31.05.2010. Wenige Tage später, trat dieser zurück, weil ein medialer Sturm der Entrüstung, ihm eine Weiterarbeit als Bundespräsident unmöglich machte. Zwei Aussagen mit der gleichen Forderung, zwei Aussagen die jedoch unterschiedlicher nicht sein können. Mich beschäftigt, wer mit seinen Worten eher an der Wahrheit liegt.

Halten wir uns international wirklich militärisch so zurück? Trügt mich mein Gedächtnis? Deutschland engagiert sich in Afghanistan im Südsudan, Libanon am Horn von Afrika, Mali, der Türkei, den Kosovo und vielen weiteren Ländern. Sind 5000 deutsche Soldaten nicht genug, die in dieser Welt eingesetzt werden? Sind 50 Tote die Deutschland allein in Afghanistan zu beklagen hat, nicht ein ausreichender Beweis für das Engagement in der Weltgemeinschaft? Im übrigen weiß doch jeder, dass noch ehe der letzte ausländische Soldat Afghanistan verlassen hat, Afghanistan ein Land sein wird, in den Gewalt und Chaos zurückkehrt. Wo liegt denn da die Logik von militärischen Einsätzen, wenn diese am Ende umsonst sind?

Wenn Weltmachtstreben als Konsequenz militärische Mittel erfordert, dann kann ich als Bürger dieses Landes gern darauf verzichten. Alljährlich ehren wir Menschen, die durch die deutsche Kriegsmaschinerie und -ideologie in den beiden Weltkriegen zu Opfern geworden sind. Wir ehren Sie, weil Sie dafür gestorben sind und mutig genug waren, gegen den Krieg und deren schrecklichen Folgen aufzutreten! Wo aber bleibt Ihr Vermächtnis, wenn wir jetzt schon wieder (und 70 Jahre sind ein winziger Teil in der Geschichte) kriegesdurstig sein sollen? Waffengewalt wo und warum auch immer, ist ad infinitum der falsche Weg.

Am besten wäre es, dafür zu sorgen, dass nirgendwo auf dieser Welt Waffen produziert und gehandelt werden. Aber das ist wohl doch zu idealistisch gedacht. Über 60 Prozent der Deutschen wollen keine militärischen Einsätze. Wir sollten stolz auf unsere Menschen sein.

 

Die Welt ist schön, wenn Du sie änderst!

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