Mögen die Spiele verrinnen.

Was für eine Show und grandiose Eröffnung. Und zugleich bin ich ein wenig enttäuscht, das die Olympische Flamme von den ehemaligen Eishockeyspieler Wladislaw Tretjak und die Eiskunstläuferin Irina Rodnina entzündet wurde. Ich hatte eigentlich Wladimir Putin erwartet, in der Hand 5 Kraniche, die die Olympischen Ringe symbolisieren und ein echter russischer Bär zur linken, der als lebendes Maskottchen funktioniert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht bei der Abschlussfeier? Und wenn schon Irina Rodnina, wo war Alexander Saizew?

Was mich überraschte war nicht die überwiegend klassische Gestaltung der Show, sondern der Einlaufsong der Russen. Gespielt wurde  „Нас не догонят“ der bereits aufgelösten russischen Band t.A.T.u. Das besondere an der Band war, dass diese für die Zurschaustellung von Erotik und ihre vorgebliche lesbische Beziehung bekannt gewesen ist. War da nicht was? Zum einen, die „andere Sichtweise“ der Russen auf die Homosexualität und zum anderen die übertriebene und nervende Debatte darüber, zum Beispiel in unseren Land. Viele sahen die Olympische Charta in Gefahr, in der es in der Präambel heißt: „Jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar“. Ich denke, dies war ein deutliches Zeichen an die Weltgemeinschaft, dass niemand bei den Olympischen Spielen Angst zu haben braucht, nach welcher Fasson er auch immer zu leben gedenkt.

Wenn man die Bilder gesehen hat, denkt man in der Tat an ein großes emotionales Ereignis. Und für viele Sportler, das möchte ich gar nicht in Zweifel ziehen, ist dem auch so. Für manchen Athleten ist es ein Traum, so wie ich davon träume noch einmal in Berlin einen Marathon zu laufen. Daher fand ich es ziemlich schade, dass der Bundespräsident statt zu den Olympischen Spielen zu fahren, lieber die Deutschen auf kommende Kriege vorbereitet.

Dennoch ist Kritik angebracht. Ist die Olympische Idee nicht in Wahrheit zu einer gigantischen Geld- und Korruptionsmaschine geworden? Die Spiele in Sotschi sollten ursprünglich 9.000.000.000 € kosten. Inzwischen soll diese Summe bis auf 50.000.000.000 € angewachsen sein. Je nachdem welcher Quelle man vertraut. Geht man von der letzten Zahl aus, wären diese Kosten sogar höher als alle anderen Olympischen Winterspiele zusammen. Ist dies die Olympische Idee? Ist „Schneller, Höher, Weiter“ out und es zählt nur noch das „Mehr“? Es sollte endlich Schluss sein mit der Gigantomanie. Schluss mit der Zerstörung der Umwelt und Ausbeutung von billigen Arbeitskräften, die für die Errichtung von Sportstätten benötigt werden. Es muss Schluss sein, mit der Bereicherung von „Funktionären“ der Olympischen Bewegung.

Ein Beleg für die wirtschaftliche Ausrichtung der Olympischen Idee, ist für mich des Weiteren das ausgegebene Medaillenziel. 30 +X sollen es für Deutschland werden. Warum gibt es dieses Vorhaben? Ist es wirklich nur der Platz im Medaillenspiegel? Sicher nicht. Denn die Sponsoren die fleißig in die Unterstützung der Teams investiert haben, wollen am Ende auch etwas daran verdienen. Ob Autos, Flugtickets oder Schokoriegel alles soll am Ende mit Hilfe des Sports, an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Olympische Spiele sind heutzutage Leistungsshows. Gewinnen um Gewinne zu maximieren. Was immer gern dabei vergessen wird, sind die vielen Menschen, die Sport treiben um Spaß zu haben oder um etwas für Ihre Gesundheit zu tun. Die fernab jeden Leistungsgedankens, einfach nur das natürlichste der Welt nachgehen, dem Sport. 67 % der Männer und 53 % der Frauen in Deutschland sind nach einer DEGS Studie des Robert-Koch-Institutes übergewichtig. Menschen die zusätzlich für den Sport begeistert werden müssten. Das sollte die Aufgabe der olympischen Bewegung sein!

Nicht zu vergessen, sind die vielen Bauten die im Rahmen von Olympischen Spielen entstanden sind. Stadien verrotten, Wohnhäuser verfallen. Wo einst der Sport gefeiert wurde, ist heute grenzenlose Leere und Bedeutungslosigkeit angesagt. So zeigte das ZDF-Magazin Aspekte in seiner gestrigen Ausgabe, einige bittere Beispiele die einen die Tränen in die Augen treiben können. Und vor allem fragt man sich, warum muss dieser Größenwahn sein, wer profitiert davon und wer sind die Verlierer?

Ich wünsche mir, dass das IOC sich einmal diesen Fragen stellt und den Sportlern und Zuschauern darauf eine klare Antwort gibt. Bis dahin – Mögen die Spiele verrinnen!

 

Die Welt ist schön, wenn Du sie änderst!

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