„Blüh im Glanze dieses Glückes!“

Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft am heutigen Tag den Titel holen wird, liegt ein langer und steiniger Weg hinter ihr. Man kam zwar souverän mit 9 Siegen und einem Unentschieden durch die Qualifikation, aber Fußball-Deutschland hat hohe Ansprüche an die Qualität seiner Nationalmannschaft. Dabei wird oft vergessen, dass viele von Ihnen eine lange Saison gespielt haben und oft als Konkurrenten auf den Platz standen und stehen. Diese Widersprüche finden sich in den Ergebnissen von Freundschafts- oder Qualifikationsspielen wieder.

Umso mehr, ist das Erreichte bei dieser Weltmeisterschaft zu beurteilen. Der DFB-Stab hat es in einem großartigen Kraftakt geschafft, ein Team zu formen, in der keiner abgehoben daher kommt. Alle haben an dem großen Ziel gearbeitet um heute Abend als Weltmeister vom Platz zu gehen. Neben den spielerischen Fähigkeiten, die ich nicht so gut beurteilen kann und möchte, ist dies der eigentliche Garant für den Erfolg.

Gerade einmal 6 Prozent aller Deutschen glaubten im Mai 2014 an den Weltmeistertitel. Immerhin 11 Prozent, sahen nach der für den vom Forsa-Institut für den Stern gemachten Umfrage, dass Deutschland ins Finale kommt. Da es spielerische Leistungen nicht sein können, gibt es aus meiner Sicht für dieses Ergebnis nur eine Erklärung. Es wird sehr oft wie im richtigen Leben eben auch, nach Äußerlichkeiten geschaut. Jeder noch so kleine Skandal, Unverständnis in der Vorbereitung auf das Turnier oder der Nominierung wird bis zum Äußersten durch die alten und neuen Medien hochgespielt.

Erinnern wir uns nur an die Diskussion über die falsche Neun, den Party-Skandal von Kevin Großkreutz, den abgegebenen Führerschein von Jogi Löw oder den schweren Autounfall im Trainingslager in Südtirol.

Ganz vergessen ist auch die Neid-Debatte um das Quartier in Campo Bahia. Diese Art der „Teamfindung“ hat sich am Ende als Glücksfall erwiesen.Mit dem Sieg über Portugal sind wir glücklich in die WM gestartet. Ein Spiel später erreichte man ein Unentschieden und die Fussballwelt war nicht mehr in Ordnung. In Zeitungen konnte man von einer verhinderten Bruchlandung lesen. Eine Reaktion die ich aufgrund der kämpferischen Leistung nicht verstehen konnte.

Man darf in Vorrunden auch mal spielerisch daneben liegen. Erinnern wir uns nur an die Niederlage gegen die DDR 1974.  Weltmeister wurde später Deutschland.  Ein nicht ganz so gelungenes Match setzt Kräfte für das Turnier frei und öffnet die Augen für Probleme die gelöst werden müssen. Wie gut Deutschland und Jogi Löw im speziellen, diese Aufgaben beherrscht, zeigte die Reaktion auf das Achtelfinalspiel gegen Algerien.

Schon gegen Ghana und die USA wurde die Kritik seitens der Medien an Jogi Löw zunehmend lauter. Ausgangspunkt war die Diskussion über die Position von Philipp Lahm. Höhepunkt dieser medialen Attacken, war dann für mich, der Kommentar beim Algerien-Spiel. Béla Andreas Réthy hatte seine Kritik an der DFB-Elf  nicht mehr unter Kontrolle. Ich hatte nicht das Gefühl, dass da in Porto Alegre ein Kommentator des deutschen Fernsehens sitzt. Dieses Gefühl hatten auch andere User im Internet.

Jens:Ich habe gedacht dort spielen zwei Mannschaften die nichts mit Deutschland zu tun haben. Kommentator Béla Réthy sollte wenn er solch ein spiel kommentiert auch für Deutschland kommentieren!
schlimmer geht`s nimmer!!!“

Ich denke, manche Moderatoren, Co-Moderatoren und Kommentatoren sind sich nicht der Verantwortung bewusst, dass sie bei einer WM vor einen Millionen-Publikum moderieren. Bis zu 31,1 Mio sahen das Halbfinale. Da erwarte ich die richtigen Worte auch wenn es mal nicht so gut läuft. Die deutsche Mannschaft hat sich davon nicht beirren lassen. Per Mertesacker fand darauf die einzig richtige Antwort:

„Glauben Sie, unter den letzten 16 bei einer WM gibt es eine Karnevalstruppe? Algerien hat uns das heute richtig schwer gemacht. 120 Minuten, wir haben gekämpft bis zum Ende und haben dann überzeugt, besonders in der Verlängerung. Das war ein Auf und Ab. Wir waren mutig, Wir mussten lange Zeit die Null halten, das haben wir geschafft. Ich lege mich drei Tage in die Eistonne, dann sehen wir weiter.“

Wichtig ist bei einem Turnier eben nicht eine „Eins“ im Schönspielen, sondern der Erfolg in die nächste Runde einzuziehen. Diese Tatsache vergisst gern der eine oder andere. Aber auch Google hat diesmal daneben gelegen. Im Viertelfinale sagte man ein Scheitern der deutschen Nationalmannschaft voraus. Google weiß doch nicht alles! 😉

Das ganz Deutschland heute Abend jubeln wird, haben wir einer geschlossenen Mannschaftsleistung zu verdanken. Es ist ein Team herangewachsen, das Geschichte schreiben wird. Wie schnell Teams scheitern, die nicht auf alle Beteiligten, sondern nur auf eine Führungsfigur setzen, hat jeder schon selbst einmal von uns erlebt. Ob im gemeinnützigen Verein, in einer Partei oder im Job. Zuletzt musste dies der Gastgeber Brasilien bitter erfahren.

Ich bin stolz auf diese Mannschaft, die der Welt diese Tugend vermittelt. Es zählt eben nicht das Geld, welches sonst den Profi-Fußball so bestimmt. Ich bin stolz darauf, dass diese Elf fair mit den Gegner umgeht. Unvergessen ist für mich, dass trotz eines 7:1 Sieges über Brasilien keine arroganten Typen auf den Platz standen und sich aggressiv über diesen Sieg freuten. Wir Deutschen haben da schon ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich denke da zum Beispiel an die Geste von Marion Balotelli als er Deutschland 2012 aus der EM kickte.

Allen die diesen Erfolg möglich gemacht haben, gilt mein Dank. –“Blüh im Glanze dieses Glückes!“

ps. Und wenn es nicht klappt, geht das Leben auch weiter!

 

Die Welt ist schön, wenn Du sie änderst!

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